Halloween- Die Nacht des Grauens

Originaltitell: Halloween
Regie: John Carpenter
Buch: John Carpenter, Debra Hill
Kamera: Dean Cundey
Darsteller: Jamie Lee Curtis, Donald Pleasance, Nancy Kyes, P.J. Soles, Charles Chyphers, Kyle Richards, Tony Moran,
Land: USA, 1978
Lauflänge: ca. 90 min

Medien:
Video, Warner Home Video FSK 18, uncut
Video, Astro FSK 16, uncut (der Film wurde von FSK 18 auf FSK 16 runtergestuft)
DVD, Best Entertainment, FSK 16, uncut
DVD, Best Entertainment Special Edition, FSK 18, uncut ( spezielle Langfassung des Films, in der neue Szenen für eine damalige Fernsehausstrahlung hinzugefügt wurden, warum diese Version des Film eine FSK 18ner Freigabe hat ist unverständlich, da es sich bei den neuen Szenen nur um Dialoge und Handlungsszenen handelt)


1978 wurde der Horrorfilm um einen grandiosen Beitrag erweitert. John Carpenter und seine damalige Ehefrau Debra Hill produzierten mit einem Mini- Budget einen kleinen unbedeutendend anmutenden Film, der später neue Maßstäbe in Sachen Suspense und Horror setzen sollte. Mit "Halloween" ist John Carpenter der ganz große Wurf gelungen.
Mit sechs Jahren ersticht der kleine Michael Myers seine Schwester in einer Halloween Nacht. Daraufhin wird der traumatisierte Bengel in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, wo er von Dr. Sam Loomis betreut wird. 15 Jahre später gelingt ihm in einer regnerischen Nacht die Flucht aus seinem Gefängnis. Dr. Loomis heftet sich sofort an die Fersen des Entflohenen, denn nur er weiß wie gefährlich Michael Myers wirklich ist. Er macht sich auf in die Stadt in der alles begann.... Haddonfield. Die Babysitterin Laurie Strode und ihre Freundinnen bereiten sich hier schon auf das bevorstehende Halloween- Fest vor. Doch dieses mal ist der Horror an Halloween bittere Realität, denn Michael Myers hat es auf sie und ihre Freundinnen abgesehen....

Die Story ist also denkbar einfach, war zum damaligen Zeitpunkt aber noch originell. Was jetzt folgt ist eine echte Nervenstrapaze für den Zuschauer. Von Anfang an zieht Carpenter die Spannungsschraube dermaßen fest, dass der Zuschauer Schweißausbrüche bekommt. Die geniale Anfangssequenz des Films, die das Geschehen aus den Augen des Jungen Michael Myers schildert, der um sein Elternhaus schleicht und letzten Endes seine Schwester mit einem Küchenmesser ersticht, ist nur der Auftakt und lässt eine weiter Steigerung der Spannung quasi unmöglich erscheinen. Besonders geschickt ist die Szene, in der sich der kleine Michael eine Maske auf setzt, diese also die Kamera bedeckt, bis auf zwei Augenschlitze, die den Zuschauer immer noch miterleben lassen was Michael mit seiner Schwester anrichtet. Interessant finde ich, dass dieser Part von Debra Hill übernommen wurde: man sieht also nicht die Hand eines kleinen Jungen, der in die Schublade greift und ein Messer herausholt, sondern die der Produzentin des Films, Debra Hill... !!!


Nach dem nervenzerfetzenden Auftakt kehrt dann erst mal etwas Ruhe ins Geschehen ein. Das heißt allerdings nicht, dass dem Zuschauer eine Verschnaufpause gegönnt wird. Die Hauptperson Laurie Strode, gespielt von Jamie Lee Curtis wird von Michael Myers permanent verfolgt. Das dies am helllichten Tag passiert mindert die daraus resultierende Spannung keineswegs. Ganz im Gegenteil: wenn Laurie in der Schule aus dem Fenster guckt und eine merkwürdige Gestalt mit weißer Maske am Straßenrand stehen sieht, die sie anstarrt, und diese dann auch noch auf dem Heimweg vor ihr hinter einer Hecke verschwindet, nur um später in ihrem Garten zwischen wehenden Bettlaken wieder aufzutauchen ist dass Nervenkitzel pur. Aber es ist ja schließlich Halloween, da vermutet hinter solchen "Streichen" niemand etwas böses. Außerdem sind diese Szenen lediglich kleine Vorboten auf das noch Folgende. Denn wenn Laurie des Abends ihren Babysitterjob antritt, beginnt der wahre Horror. Jetzt zeigt uns John Carpenter, dass er noch längst nicht am Höhepunkt seines Spannungsbogens angelangt ist. Die nun folgende "Stalk-n-Slash" Orgie überspannt den Spannungsbogen schon fast. Denn Carpenter macht nicht den Fehler und verschießt sein Pulver in billigen, ruppig inszenierten Schockeffekten. In minutenlangen Sequenzen lässt er Michael Myers um seine Opfer herumschleichen, lässt ihn auftauchen und wieder verschwinden, ohne dass die Personen im Film etwas davon mitkriegen, und steigert so die Spannung in bis dahin noch nie da gewesene Intensität. Carpenter treibt es dann noch auf die Spitze, in dem er die Angriffe von Michael Myers dermaßen plötzlich passieren lässt, dass der Zuschauer quasi überrumpelt wird. Und das, obwohl man eigentlich jeden Moment damit rechnet, dass Michael zuschlägt. Erstaunlich ist dabei, dass der Film fast ohne einen Tropfen Blut auskommt. Die von Myers begangenen Morde werden dem Zuschauer zwar nicht vorenthalten, aber auf drastische Splatterszenen wird verzichtet. Und die hat der Film auch gar nicht nötig.
Nachdem sich Myers also alle Freundinnen von Laurie vorgenommen hat, versucht er auch ihr das Leben zu nehmen. Der nun folgende Showdown stellt ganz klar den Höhepunkt des Films dar, und löst wahre Panikattacken beim Betrachter aus. Der aussichtlose Überlebenskampf von Laurie gegen den schier unverwundbaren Michael Myers nagelt den Zuschauer mit weit aufgerissenen Augen vor der Mattscheibe fest, bis plötzlich Dr. Loomis zur Hilfe eilt und der "Nacht des Grauens" ein (vorübergehendes) Ende beschert.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Films ist die grandiose Musik, die ebenfalls von John Carpenter komponiert wurde. Diese trägt ungemein zur Atmosphäre des Films bei und dürfte zu den besten Scores der Filmgeschichte zählen. Aber neben John Carpenter muss man auch die Schauspieler loben:
Jamie Lee Curtis, die hier in ihrem ersten Kinofilm zu sehen war, hat eine grandiose Leistung hingelegt und hat sich als "Scream- Queen" in die Herzen der Horrorfans gekreischt. Der, mittlerweile verstorbene Schauspieler, Donald Pleasence hatte nie wieder die Chance so zu glänzen wie in der Rolle des Dr. Loomis und sogar Tony Moran, der in die Rolle von Michael Myers geschlüpft ist, muss gelobt werden. Denn obwohl man im ganzen Film nur ein einziges mal, ganz kurz sein Gesicht zu sehen bekommt verleiht er seiner Figur durch seine Körpersprache Charakter. Er bewegt sich als Michael Myers angsteinflößend statisch und desinteressiert durch den Film und wirkt dabei trotzdem kühl, berechnend und aggressiv. Die Entstehungsgeschichte der Maske von Michael Myers ist besonders interessant: da man aus Budget bedingten Gründen keine eigene Maske entwerfen konnte, hat man einfach eine Maske von William "Captain Kirk" Shattner genommen und diese weiß angepinselt. Es wurden noch ein paar Haare ausgerissen und fertig war die Kult- Killer Maske...

Jetzt noch ein paar Worte zur ca. 12 Minuten längeren TV- Fassung des Films, die auf DVD Veröffentlicht wurde. Für eine damalige Fernsehausstrahlung in Amerika, sollte Carpenter noch zusätzliche Szenen in den Film einbauen, um die Laufzeit zu strecken, damit der Fernsehsender NBC mehr Werbung in der Sendezeit unter bringen konnte. Also drehte John Carpenter bei den Dreharbeiten zu "Halloween 2" einige Sequenzen nach und fügte diese dann in den Film ein. Meines Erachtens sind diese Szenen aber überflüssig und ziehen den Film nur unnötig in die Länge. Deswegen kann ich nur zur "Ursprungsfassung" des Films raten.
John Carpenter hat mit "Halloween" das Paradebeispiel für einen Slasher abgeliefert.
"Halloween" ist mit Sicherheit einer der Filme, die grundlegende Regeln für den Horrorfilm aufgestellt haben. Einer der besten und spannendsten Filme die dieses Genre je hervorgebracht hat. Absoluter Kult und bis heute immer noch unerreicht.... !!!!

 

Review © by Leatherface

Bewertung Film:

Qualität: 10
Härte: 3

Bewertung DVD

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