MEN BEHIND THE SUN

Originaltitel: Hei tai yang 731
Hongkong 1987
Regie: Mou Tun Fei
Länge: 104 Min uncut
Darsteller: Hsu Gou, Gang Wang, Andrew Yu
| Der Film startet mit den Worten "Freundschaft ist Freundschaft.... Geschichte ist Geschichte". Während des zweiten Weltkrieges hielten die japanischen Streitkräfte den Nordosten Chinas besetzt, um ihren Einfluß und die Kultur weiter auszubreiten. Berüchtigt waren ihre Tests mit bakteriologischen Waffen, die vom Manchu 731 Schwadron durchgeführt wurden, das sich in mehrere Untergruppen aufspaltete. Ihr Hauptquartier war hochtechnisch ausgerüstet und mehrfach gesichert. Der gesamte Komplex kann wohl am Treffensten mit Konzentrationslagern umschrieben werden, da es neben Gefängnissen auch ein Krematorium gibt. Mitten im Winter bei eisigen Temperaturen werden Jugendliche und Kinder einberufen, für ihr Land zu dienen. Beim Versuch einen Ball zu holen, der über die Absperrung des Lagers geworfen wurde, stirbt einer der Jungs, als er mit einem elektrischen Zaun in Berührung kommt. Oberbefehlshaber Ishii regiert seine Mannen mit eiserner Hand und warnt den Corps eindringlich, dass dergleichen nie wieder vorkommen dürfe. |
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Frauen werden ihrer Babys beraubt, die man kaltblütig vor den Augen der Mutter tötet. Frauen werden ebenso wie Männer, zu Experimenten mißbraucht, dass man am liebsten tot wäre, als den unausprechlichen Greueln als Zeuge beizuwohnen. Gefrierexperimente, bei denen einer Frau solange mit Eiswasser über die Unterarme gegossen wird, bis es gefriert, um dann das Eis abzuschlagen und die Arme danach in eine Flüssigkeit zu tauchen um daraufhin das Fleisch abzuziehen, das die Knochen zum Vorschein kommen. Ebenso Experimente mit Schallwellen, die wohl eie der abartigsten Szenen der Filmgeschichte mit sich bringt, ein Mann wird mit wachsender Dezibelzahl Tönen ausgesetzt, bis Ihm schließlich seine Eingeweide mit Fäkalien aus dem Anus platzen. Giftgasversuche werden nicht ausgelassen, um herauszufinden ob ein Kind schneller stirbt als ein Erwachsener oder eine Taube. Da man meist frische Organe zu weiteren Zwecken benötigt, führen sie einen chirugischen Eingriff bei einem kleinen Chinesenjungen durch der gar nicht wusste wie ihm geschah. |
| Das Feindbild des Chinesischen Menschen wird den bemitleidenswerten Jungspunden ins Gehirn gemeißelt. Man lehre sie, das Chinesen Untermenschen seine und bestenfalls als Holzblöcke fürs Feuer geeignet, weshalb man sie auch nur "Maruta" nennt, frei zu Experimentierzwecken! Dass das nicht nur für Männer gilt ist angesichts der unfaßbaren Perversität und Sadistik weniger verwunderlich. |
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Als dann Russland Japan den Krieg erklärte und Nagasaki bombardiert wurde, wird der Befehl erteilt, alle Truppen zurückzuziehen. General Ishidi orderte daher an, alle verbleibenden Maruta hinzurichten und das gesamte Lager zu vernichten, so dass keine Spuren hinterbleiben. Auch alle Dokumente und "wertvolle" Arbeit sollen vernichet werden; die Nachwelt darf unter keinen Umsten erfahren, was sich in jenen Lagern abgespielt hat. Für den Fall, dass man ihn gefangenehme, wird jedem Soldaten ein Fläschchen Gift ausgeteil mit dem er sich sofort das Leben nehmen solle.
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Ein Großteil der Truppen kehrte nach Hause zurück. General Ishi wurde kurze Zeit später vom amerikanischen Geheimdienst verhaftet und nach Tokio gebracht. Er erreichte eine Vereinbarung, bei der ihm Immunität zugesichert wurde, wenn er seine Experimente preisgab. Die biologischen Waffen, die von den Japanern zurückgelassen wurden im Jahre 1952 im Koreakrieg eingesetzt. Ishi wurde niemals für seine Verbrechen belangt und starb im Jahre 1959 an einer Krankheit. Keine einzige Person überlebte die Experimente doe im Manchu-Camp durchgeführt wurden. Die Zahl der Opfer wird auf weit über 3000 geschätzt; darunter Chinesen, Russen und andere Nationalitäten. Starben sie vergeblich?
Damals noch fast unmöglich an den Film zu kommen war ich immer verückt nach dem Titel. Man hörte so viel über diesen Film und als ich dann endlich an eine Tape aus Taiwan (leider nur in japanisch mit kantonesichen Untertitel; macht jedes sprachliche Verständnis unmöglich und ich musste die Bilder sprechen lassen) gekommen bin traute ich meinen Augen nicht. Der Film geht schlicht und einfach los, einige reale Kriegsaufnahmen die sich langsam in einem spielfilmähnlichen Handlungstrang entwickeln ein paar Kinder die zu brutalen Kampfmaschinen ausgebildet wurden und die "Herren-Rasse" hier in Form von Japanischen Offizieren und Generälen.
So harmlos der Film anfing wendete sich das Blatt auf die extremste Art. Szenen wie z.B. die wo der Frau das Fleisch von den Unterarmen gerissen wird oder die Druckkammer Szenen liessen mich sprachlos werden. Einige Minuten später dachte ich mir nur was für kranke Köpfe müssen das sein die solche Szenen auch wenn sie geschichtlichen Hintergrund haben in solch perverse und haarsträubende SFX umzusetzen. Nun gut schwer verdaut kamen die nächsten Goreexesse.Da haben die wahrhaftig einen stummen Jungen aus Ihrer eigenene "Herren-Rasse" betäubt und anschliessend seziert um deren Organe zu konservieren. Super extrem wirken diese Aufnahmen die teilweise fast echt ausschauen und einem die Sprache verschlagen. Selbst hartesotteten Allessehern wird diese Machwerk schwer beeindrucken. Der Film ist mit sehr wenigen Titeln in puncto Härte und Perversität auf eine Stufe zu stellen, selbst die Guinea Pigs können nur teilweise diesem Film das Wasser reichen.
Viele Leute fragen mich immer wieder nach diesem Titel und ich muss immer wieder betonen, dass ich den Leuten die einmal einen wirklich harten Film sehen wollen die Finger von Men behind the Sun lassen sollten. Den dieser Film ist alles andere als der Vorzeige Film in Puncto Härte und nicht jeder erwachsene Mensch wird diesen Streifen aufnehmen und verdauen wie ein Splatterfreak. Wenn ich dann lese bzw. höre das Leute von der Brutalität enttäuscht sind und mehr erwartet haben frage ich mich ganz ehrlich was das für perverse ARSCHLÖCHER sind denen das noch nicht genug ist.
Wenn unser einer bedenkt das in Deutschland um die 40er Jahre das gleiche in nicht minderschwererer Form an "Menschen" vorgenommen wurde was auch teilw. in Men behind the Sun gezeigt wurde läuft es einem kalt den Rücken runter. Der Film soll aufklären und entsetzen so laut Mou (Regie). Da dieser Film mit großer Sicherheit aber nicht der breiten Masse zumindestens in Europa und Amerika präsentiert wird, geht man wie auch so oft von einem weiteren abstruden auf Kommerz ausgerichteten Massen-Filmchen aus. Doch das ist meiner Ansicht nicht der Fall. Der Film hat seinen eigenen Mythos unter den Horrorfreaks und ist nicht umsonst in vielen Ländern verboten! "The Film they want to ban" Original vom Cover "This Film will provoke anger and sicken!" Als ich dann endlich die Fassung von Eagle Eye Entertaiment gesehen habe (komplett in englisch) kam der Film mir noch 3 Stufen härter vor da man wirklich alles verstanden hatte.
Als ein wirkliches Wunder ist es verzeichen, dass keine ausländische Fassung in Deutschland beschlagnahmt ist. Wahrscheinlich lag noch keinem Staatsanwalt dieses Machwerk vor.
Es gibt noch drei weitere Fortsetzungen von dem Film die wir in Kürze besprechen werden:
- Labatory of the Devil
- Narrow Escape
- Black Sun the Nanking Massacre
Fassungen:
Australien: Video:
Eagle Entertainment
Taiwan: Video : ?
Video: Eagle
Entertainment (Engl. Sprache)
Frankreich: Video: Haxan Films
Niederlande: DVD: Japan Shock
Mou Tun-Fei
über seinen Film "Men Behind The Sun"
HOWL Ausgabe 12, April 92
Nach "Lost Souls" war man eigentlich schon vorgewarnt: Der Film schildert das Schicksal einer Gruppe von rotchinesischen Flüchtlingen, die das kapitalistische Paradies suchten und die Hölle vorfanden: Skrupellose Menschenhändler sperren die Unglücklichen in einen primitiven Verschlag und quälen sie bis aufs Blut, um ihnen die Telefonnummern von evtl. erpressbaren reichen Verwandten in der Kronkolonie zu entlocken. Die roten Brüder und Schwestern werden vergewaltigt, geschlagen, verbrannt, gemordet oder wie Vieh in die Prostitution verkauft. Mou hat durchaus einen engagierten Film zu einem relevanten Thema drehen wollen, das sieht man schon an der dokumentarischen Einleitung und an dem erschütternden Schluß.
Doch er führte dazwischen alle Schikanen, alle Gemeinheiten und den ganzen Sadismus schonungslos vor, und das rückte ihn in die Nachbarschaft von üblen Exploitern: Frauen im Foltercamp hieß der Streifen vielsagend bei uns er wurde beschlagnahmt und aus dem Verkehr gezogen. Mit "Men Behind The Sun" sollte es noch dicker kommen: Wieder nahm sich Mou eines ernsten Themas an, verstärkte seinen dokumentarischen Ansatz und weigerte sich erst recht, vor niederträchtigen Gemeinheiten, unaussprechlichen Grausamkeiten und mörderischen Herrenmenschenwahn den Blick abzuwenden. Diesmal zeigte er noch radikaler, wie es aussieht, wenn der Mensch, dem Menschen zur Bestie wird. Unterhaltung soviel steht fest, hatte er nicht gerade im Sinn, als er diesen schrecklichen, grausamen und wichtigen Film drehte. Daß es mit diesem Streifen auf der Berlinale 1989 zum Eklat kam, verwundert jedoch nicht. Ein Interview von Thomas Gaschler.
HOWL: Herr Mou, warum haben Sie diesen Film gedreht?
MOU: Für diesen Vorfall gab es nie eine große Öffentlichkeit. Die Verbrechen, welche die Deutschen im Zweiten Weltkrieg verübten, sind da weitaus bekannter, nicht zuletzt durch zahlreiche Hollywoodfilme. Aber niemand weiß, was die Japaner in China und anderen asiatischen Ländern anstellten, und das war mindestens genauso schlimm wie die Nazigreuel, wenn nicht noch schlimmer. 25 Millionen Menschen wurden allein in China getötet. "Man Behind The Sun" sollte einen dieser gewissen weißen Flecken auf der Landkarte der Geschichte beschreiben.
HOWL: Wann hörten Sie zum ersten mal von dem bakteriologischen Versuchslager 731?
MOU: Mein Vater hat in Taiwan als Guerilla gegen die Japaner gekämpft und so hörte ich viele Geschichten über die Japaner schon zu Hause. Aber das, was die Japaner im Forschungslager 731 in der Mandschurei angestellt haben, davon hörte ich erst Anfang der 80er, als ich in der Volksrepublik China einen Film drehte. Dort stieß ich auf ein kleines Büchlein von 1965, das nicht sehr viel hergab, aber mein Interesse weckte. In Washington D.C. habe ich dann im Nationalarchiv gewühlt, nach 35 Jahren geben sie in der Regel die Akten frei. Außerdem gab es ein paar russische Dokumente und 1984 kamen aus Japan ein paar Bücher zu dem Thema heraus. In der Mandschurei habe ich versucht, Zeitzeugen aufzutreiben, aber die wußten nicht viel zu erzählen. Wer das Lager kannte, kannte es in der Regel von Innen und hat nicht überlebt. Je mehr sich das Bild konkretisierte, desto geschockter war ich. 1983 mußte ich schließlich einen Film drüber machen.
HOWL: Und da waren Sie fast zu spät dran...
MOU: Ja genau. Ich hatte das Projekt in der Volksrepublik China der entsprechenden Regierungsstelle vorgetragen und nach acht Wochen einen Absage erhalten. Inzwischen hatten sich die sino-japanischen Beziehungen sehr freundschaftlich gestaltet. Peking und Tokio waren sozusagen in den Flitterwochen!
HOWL: Warum haben Sie den Film nicht gleich in Hongkong gedreht?
MOU: Ich wollte die Originalschauplätze haben, ein paar Gebäude, für die Wachmannschaften z.B., stehen noch und sind im Film zu sehen. Ich wollte alles so authentisch wie möglich. Jedenfalls habe ich am Schluß gesagt: Das ist eine Hongkong-Produktion, gedreht mit Hongkong-Geld von einem Übersee-Chinesen und der Film handelt von Kriegsverbrechen an Chinesen! Und Sie wollen Kommunisten sein? Seit wann ist es nicht mehr kommunistisch etwas über Geschichte auszusagen?
HOWL: Geschichte ist eine heilige kommunistische Kuh, nicht wahr? Und inwiefern hat die Produktionsfirma interveniert?
MOU: SIL Metropol wollten eine Dokumentation daraus machen, aber ich bestand auf dem Dokumentarspiel, es existiert schließlich kaum historisches Filmmaterial mehr. Aber ich wollte dennoch nur Fakten zeigen, hätte ich einen Spielfilm daraus gemacht, hätte man viel als Fiktion abgetan.
HOWL: Und ich dachte, die Hongkong-Produktionsfirma hätte Ihnen ein paar Actionszenen wie den Fluchtversuch der auf dem Feld Gekreuzigten aufoktroiert, um das ganze Projekt irgendwie mehr marktkonform für das actionorientierte Publikum zu machen...
MOU: Oh nein, Sie müssen wissen, daß SIL sehr linksorientiert ist, pekinghörig, die wollten den Film am liebsten gar nicht veröffentlichen. Nein, alles im Film beruht auf Fakten, auch der niedergeschossene Fluchtversuch steht so in den Akten.
HOWL: Bekamen Sie Unterstützung aus Japan?
MOU: Nun, einige japanische Filmgesellschaften offerierten mir finanzielle Unterstützung, da sie glaubten, das Thema könne sich in Japan verkaufen. Ich lehnte ab, weil ich frei von jeglicher japanischer Einflußnahme sein wollte. Eine andere Firma bot mir japanische Schauspieler an. Auch da lehnte ich ab, weil ich nicht wußte, wie ich einen Drehplan für vielbeschäftigte japanische Schauspieler zusammenstellen könnte, und außerdem fürchtete ich, daß sie gewisse Szenen nicht spielen würden. Japanische Filmemacher wollten das Thema schon seit den 60er Jahren aufgreifen, ein Regisseur starb, als er bereits mitten in den Vorbereitungen steckte. Ein anderer hat 1986 einen Vertrag mit nordchinesischen Studios ausgearbeitet, aber da erfuhr er, daß ich bereits seit drei Jahren an dem Thema arbeitete, und zog sich zurück.
HOWL: Sie wollten aufdecken, Namen nennen, zur Rechenschaft ziehen?
MOU: Es ging mir nicht darum, Haß zu schüren. Aber, die Menschen sind für ihre Taten verantwortlich, auch historisch und politisch und egal in welcher Zeit und in welchem Kontext. Obwohl die Vorfälle im Lager 731 nun 45 Jahre zurückliegen, muß jemand verantwortlich gemacht werden, besonders bei einer so schlimmen Sache. Krieg an sich ist schon schlimm genug, aber selbst in einer speziellen militärischen Situation darf so etwas Entsetzliches nicht passieren. In China gibt es selbst unter Räubern und Banditen eine gewisse Ethik und Regeln für ein angemessenes Verhalten. Sowas fehlte hier vollkommen.
HOWL: Entsprechend waren die Strafen...
MOU: Keiner der Verantwortlichen wurde bestraft. Niemand! General Ishii, der Lagerkommandant, starb 1959 eines natürlichen Todes. Die Russen wollten die Verantwortlichen anscheinend zur Rechenschaft ziehen, denn wie mein Film zeigt, wurden auch Sowjetbürger im Lager ermordet, aber die Amerikaner haben Ishii aus Eigennutz in die Staaten geholt und vor einem entsprechenden Prozeß bewahrt. Wenn es überhaupt zu einem gekommen wäre...
HOWL: Wie haben die Japaner auf Ihren Film reagiert?
MOU: In Japan darf der Film nicht im Fernsehen ausgestrahlt werden. Die Regierung verhindert das und übt z.B. auch Druck auf Filmverleiher und Kinobesitzer aus, auch wenn sie dafür eigentlich keine gesetzliche Handhabe haben. Manche Kinobesitzer fürchteten, daß ihnen rechtsradikale Gruppen die Theater niederbrennen würden. Diejenigen, die den Film nie gesehen haben, wollten ihn verbieten, diejenigen, welche ihn bei den Previews sahen, reagierten in der Regel positiv. Sehen Sie, die meisten Japaner versuchen alles weißzuwaschen, was sie angestellt haben, zeigen nur auf Hiroshima und Nagasaki und fangen das große Wehklagen an. Als ich in Deutschland Leute gefragt habe, was sie vom Zweiten Weltkrieg halten, sagten sie, es sei eine schlimme Sache gewesen, zuviel Unrecht, zuviel Leid, zuviel Blutvergießen. In Japan sagte man mir auch, der Krieg sei schlimm gewesen weil sie ihn verloren hätten!
HOWL: Warum glauben Sie, hat es diese extremen Greueltaten wie Vivisektion etc. in zwei so unterschiedlichen Kulturkreisen wie Japan und Deutschland gegeben?
MOU: Da ist nichts Spezielles an diesen Tätern, das sind nur Kostüme und Masken. Die Situation ist speziell. Jeder hätte an deren Stelle sein können, die menschliche Natur ist fähig zu solchen Dingen. Das wollte ich auch schon mit dem Titel zeigen: "Man Behind The Sun", der Mensch hinter der Sonne, auf der Schattenseite usw.. Das hat der Verleih kaputt gemacht, der übersetzte den Titel schlampig mit "Men Behind The Sun", die Männer hinter der Sonne, und somit sind nur die Japaner hinter ihrer Flagge mit der aufgehenden Sonne gemeint. Mein Originaltitel beinhaltet zwar diese Leseart, geht aber doch tiefer.
HOWL: Ich habe den Film mit den Japaner mimenden Koreanderkindern und Chinesen englisch untertitelt auf spanisch gesehen, dadurch bekommt die Thematik diesen universellen Charakter...
MOU: Es gibt auch noch einen chinesischen Titel, übersetzt etwa Schwarze Sonne 731. Alle Titel haben also verschiedene Bedeutungshorizonte, was mir wiederum gefällt. Nein, das Tragische an der Geschichte ist, daß gewisse Leute nichts aus ihren Fehlern lernen wollen. Ich habe in Japan mit ehemaligen Soldaten aus 731 geredet, die bereuen nichts! Es war unser Job! Was ist daran verkehrt, seinen Job zu tun?, fragten sie mich: Es war Krieg, uns so ist der Krieg eben. Was ist dein Problem? Sie waren normale Leute, arbeiteten hart, waren loyal ihrem Vaterland gegenüber, liebten ihre Familien, waren nett zu Hause und freundlich. Nur haben sie halt bei ihrer Arbeit entsetzliche Versuche mit ihren Mitmenschen angestellt. Die ehemaligen Soldaten, die den Film sahen, bestätigten, er käme den tatsächlichen Ereignissen sehr nahe, besonders der Rückzug des Bataillons.
HOWL: Ihr Film zeigt, daß ihnen damals die richtige Sichtweise eingebläut wurde, was sehr wichtig ist, oder nicht?
MOU: Ja, sobald sie die Sichtweise ihrer Vorgesetzten akzeptiert hatten, war es nur ein Job. Schließlich sahen sie die Gefangenen als Maruta, als Holzklötze, mit denen sie entsprechend umspringen konnten.
HOWL: Sie haben da eine sehr interessante Figur, den Typen, der im Keller die Leichen zerhackt und verheizt, der ist bei seiner schrecklichen Arbeit ausgesprochen fröhlich...
MOU: Ja, er singt
und trinkt. In dieser Figur habe ich mehrere authentische Personen zusammengefaßt.
Viele haben sich laut Aktenlage in den Alkohol geflüchtet, um dem Entsetzlichen
ihres Tuns zu entkommen.
Er ist betrunken wenn er die Opfer zerhackt. Mein Film zeigt, daß nicht
alle Japaner so denken, wie man es von ihnen will. Einige zeigen Menschlichkeit,
besonders der Maler Ishikawa, der den letzten Überlebenden unter den Opfern
Kleiner Stern versteckt.
HOWL: Auch der wird schließlich gemordet in einer blutigen Szene. Eignet sich die Schock-Therapie für Geschichtsaufarbeitung?
MOU: Schockieren war nicht meine Intention, und schon gar nicht wollte ich mit solchen Szenen die Leute ins Kino locken, weil sie dann gleich über den Regisseur losgezogen hätten, anstatt über die japanischen Militaristen. Aber das ganze Thema an sich ist eben schon schockierend. Ich wollte beim Publikum einen tiefen, bleibenden Eindruck erreichen, aber nicht über irgendwelche dramatischen Kniffe. Ich hätte z.B. durchaus eine emotionale Note in dem Film herausarbeiten und betonen können, aber ich hielt mich strikt an das Faktenmaterial.
HOWL: Aber bedarf es einer expliziten Gewaltdarstellung?
MOU: Ja. Wenn man all die Gewaltszenen rausschneidet, bekommt man einen anderen Film, und man dringt nicht mehr so tief ins Bewußtsein der Zuschauer. In einigen Gebieten in der Volksrepublik China haben sie den Film entsprechend gekürzt. Das Ergebnis war, daß der Eindruck, den ich erzielen wollte, völlig fehlte: Der Film bleibt einfach nicht mehr im Kopf hängen.
HOWL: Das heißt, auch wenn die Leute aus dem Kino gehen wie z.B. auf der Berlinale, haben Sie mehr erreicht, als wenn Sie ihnen eine harmlose Version vorsetzen?
MOU: Ja, natürlich! Wenn die Zuschauer rausgehen, haben sie in der Regel schon so viel gesehen, daß sie den Film nicht so schnell aus ihrem Gedächtnis drängen können. Das beißt sich fest!
HOWL: Und dabei haben Sie, soweit ich die Dokumente kenne, noch nicht einmal alles aufgetischt...
MOU: Nein, im Gegenteil. So schrecklich der Film auch in gewissen Szenen ist, so war die Wirklichkeit noch viel schlimmer. Die Akten besagen z.B., daß einige Frauen erst geschwängert und dann mit Syphilis infiziert wurden, um zu studieren, welchen Effekt die Krankheit auf die Babys haben würde. Das habe ich z.B. nicht gezeigt, auch nicht wie die Japaner die Maruta-Frauen vergewaltigt haben. Oder nehmen Sie einfach die Szene mit der Unterdruckkammer, welche viele Leute für die schlimmste des ganzen Films halten. Auch das beruht zwar auf Dokumenten, wonach die Japaner bestimmte Opfer immer größerem Unterdruck aussetzten, um die Belastbarkeit der verschiedenen Körperfunktionen und Organe zu testen. Nun, in den Dokumenten wurde festgehalten, wie den Opfern zuerst die Augen hervorquollen, bis sie platzten; dann schoß ihnen das Blut aus Mund, Ohren, Augen und Nase, dann quollen die oberen Eingeweide aus dem Mund heraus, und erst dann schoß ihnen der Dickdarm durch den After hinaus. Ich habe nur die letzte Phase gezeigt, also bewußt etwas abgeschwächt und bestimmte schreckliche Details ausgespart. Dennoch beschweren sich die Leute, es sei ihnen bereits zuviel.
HOWL: Wie haben Sie die Vivisektion an dem Jungen getrickst? Die Sequenz besteht zwar aus verschiedenen Einstellungen, aber man sieht, wie die Haut durchschnitten wird und daß die Organe noch leben. War das zum Teil Archivmaterial?
MOU: Nein, die Sequenz besteht aus drei verschiedenen Teilen. Die ersten Nahaufnahmen zeigen den jungen Schauspieler, den haben wir selbstverständlich nicht angeschnitten. Den Einschnitt durch die Bauchdecke haben wir dann in einem Hospital bei einer echten Operation aufgenommen; das war ein ziemliches Hin und Her, bis wir die Genehmigung von den Verwandten des Patienten, der Krankenhaus-Direktion und von dem operierenden Arzt hatten. Die Innenansicht mit den Organen war wieder einfach zu bekommen, das stammt von einem geschlachteten Schwein.
HOWL: Das Effektvolle an der Szene ist, daß sie den kleinen Jungen erst langsam zum Sympathieträger aufbauen, bevor sie ihn schlachten lassen...
MOU: Ja. Aber so war das eben. Auch das ist authentisch. Die haben ihn mit Süßigkeiten angelockt und gesagt, was für ein süßer kleiner junge, bevor sie ihn bestialisch umbrachten.
HOWL: Manche Leute werfen Ihnen vor, daß für den Film eine Katze einen qualvollen Tod sterben mußte...
MOU: Die kann ich beruhigen. Die Katze, die im Film offensichtlich von den Mäusen gefressen wird, ging nach den Dreharbeiten zufrieden nach Hause. Sie war zwar zugegeben etwas geschafft, weil wir sie in einem Raum mit 1200 Mäusen sperrten, aber die haben sie nicht gebissen. Das Katzenblut war rotgefärbter Honig, den haben die Mäuse abgeleckt, was im Film so aussieht, als würden sie die Katze anknabbern. Natürlich hat die Katze während der Szene ein paar Mäuse totgebissen, aber damit kann ich leben, das ist nur natürlich.
HOWL: Die Mäuse sterben im Film aber nicht den Katzen-, sondern auch den Feuertod.
MOU: Das stimmt. Die Bauern der Gegend leiden unter den Feldmäusen. Wir bezahlten sie pro Maus, ich glaube wir hatten insgesamt 25.000 Stück. Als wir am Schluß die Mäuse verbrannten, habe ich das für den Film verwendet. Auch damit kann ich leben.
HOWL: Wie findet man eigentlich die menschlichen Schauspieler für solche Szenen, etwa die Frau, der in einem sinnlosen Experiment das Fleisch von den eingefrorenen Armen gekocht wird?
MOU: Oh, da hatte ich Glück, diese Frau spielte meine Nichte aus Nordchina. Sie fragte mich nach einem Job, und ich sagte, ich habe da eine Rolle, die niemand spielen will, weill sie einfach zu hart ist, zu schwierig. Aber ich versicherte ihr gleich, daß ich ihr alles nötige beibringen könnte, und so willigte sie schließlich ein. Wenn sie dann im Freien angebunden ist und ihre nackten Arme mit Eiswasser übergossen werden, bis sie blau und grün gefroren sind, spielte sie auch wirklich gut, hat Tränen in den Augen. Aber die waren weniger gespielt als vielmehr echt. Zwischen den einzelnen Takes konnte sie sich zwar immer wieder aufwärmen, aber beim Drehen mußte sie wieder raus in die Kälte und die Ärmel hochkrempeln. Und dann klagte sie natürlich: Onkel, bitte beeile dich! Es ist so furchtbar kalt!
HOWL: Was war der Zweck dieses Experiment?
MOU: Das war eine Versuchsreihe, um irgendwelche Erkenntnisse über die Wirkung und Behandlung von Erfrierungen zu gewinnen. Die in der Mandschurei stationierten japanischen Soldaten waren mitunter extremen Minustemperaturen ausgesetzt.
HOWL: Die Deutschen haben Versuchspersonen nacht in eiskaltes Wasser getaucht, um die Überlebenschancen von abgeschossenen Flugzeugpiloten im Nordatlantik zu eruieren... zurück zu den Darstellern, waren das überwiegend Laien?
MOU: Die restlichen Darsteller waren zur Hauptsache Schauspieler von kleinen chinesischen Bühnen und von in der Volksrepublik lebenden koreanischen Kindern. Ich habe von vornherein auf Hongkong-Stars verzichtet. Deren allzubekannte Gesichter würden nur vom Film ablenken. Die Japaner wurden gedoubelt. Das Problem war die Sprache. Ich wollte, daß alle Figuren im Film ihre richtige Sprache sprechen, und in dem Film haben die Chinesen eben nicht viel zu sagen. Die Japanerdarsteller mußten ihre Texte in Japanisch lernen und sprechen. Danach wurden ihre Texte von echten Japanern in einem Studio in Tokio nachsynchronisiert, um den starken chinesischen Akzent wieder rauszukriegen.
HOWL: Warum mußten sie dann überhaupt erst japanisch büffeln?
MOU: Weil das eine ganz andere Art zu sprechen ist. Vor allem die japanische Militärsprache der 40er-Jahre, das ist ganz kurz, ganz zackig, die Gesichtsmuskulatur bewegt sich vollkommen anders. Wie gesagt, ich wollte soviel Authentizität wie möglich, auch bei der Sprache. Natürlich mußte dann wieder alles in chinesisch und englisch untertitelt werden.
HOWL: Wie nahe kommt Ihr General Ishii dem wirklichen Lagerkommandanten?
MOU: Wir haben den Schauspieler, Wang Gang, dafür sehr genau ausgewählt, die Gesichtszüge mußten sehr ähnlich sein und auch die Körpergröße: General Ishii war über 180 groß, und das liegt weit über dem Durchschnitt der Japaner. In der Charakterziechnung hielt ich mich ebenfalls an die historische Figur. Er war z.B. sehr reinlich, fast ein Sauberkeitsfanatiker. Wenn er sich Prostituierte holte es waren für gewöhnlich immer gleich zwei oder drei auf einmal dann mußten die sich vor dem Liebesspiel jedesmal ausgiebig waschen. Dann zupfte er ihnen die Schamhaare aus.
HOWL: Steht das auch in den Akten?
MOU: Ja, die japanische Militärpolizei führte über die wichtigsten Leute peinlich genaue Akten. Da steht z.B. drin, daß Ishii die Schreie und das Wehklagen der Prostituierten offenbar sehr genoß, wenn er ihnen die Schamhaare auszupfte. Bei mir reißt er ihnen nur die Haare unter den Achseln aus, und das hat einen guten Grund. Würde ich ihn an den Schamhaaren zupfen lassen, wie es ja historisch korrekt gewesen wäre, würde man mir sofort unterstellt, ich hätte diesen Stoff bloß ausgewählt, um sexuelle Abartigkeiten schlüpfrig darstellen zu können. Ishii hatte jedenfalls eine Menge psychologischer Probleme. Außerdem war er sehr korrupt.
HOWL: Das ist interessant, auch der Kommandant von Buchenwald, Herr Koch, wurde wegen Korruption und Schmarotzertums erst zum Tode verurteilt, dann aber begnadigt und zur Bewährungsprobe an die Ostfront in den Tod geschickt. Seine Frau, Ilse Koch, kam als "Ilsa, She-Wolf of the SS" zu zweifelhaftem Filmruhm. In diesem Exploitation-Streifen unternimmt sie übrigens ähnliche Experimente wie die Japaner in Ihrem Film; kennen Sie den Ilsa-Film?
MOU: Nein. Ishii hat es allerdings schlauer angestellt als Koch. Er kommandierte die Untergebenen, die ihn verpfeifen wollten, selbst vorher an die Front in Südchina ab, wo die Überlebenschancen am kleinsten waren. Das wird auch in meinem Film aufgegriffen. Ishii selbst war viel zu wichtig, als daß man ihm den Prozeß gemacht hätte. Zu wichtig für die Amerikaner. Die nahmen ihn mit in die USA, schickten ihn für zwei Jahre auf Vorlesungstour durch die Akademien und werteten dann die Früchte seiner Arbeit im Lager 731 für den Koreakrieg aus. In Korea haben dann die Amerikaner unter der UN-Flagge die Forschungsergebnisse aus 731 angewandt. Das konnte ich nicht zeigen, weil solche Unterlagen streng geheim sind, aber im Nachspann führte ich einige beredte Zufälligkeiten auf. Es ist für mich völlig klar, daß die Amerikaner militärischen Nutzen aus den Menschenversuchen in der Mandschurei gezogen haben. Aber das weiß man offiziell natürlich nicht. Geschichte wird eben immer von den Siegern geschrieben.
HOWL: Ich dachte, diese ganzen Menschenversuche in Deutschland und in der Mandschurei seien nicht zuletzt deshalb so absurd gewesen, weil das Zeug ja nie eingesetzt wurde.
MOU: Oh doch! Die
Japaner haben es schon während des Kriegs ausprobiert. Mindestens an zehn
verschiedenen Stellen in Nord- und Südchina. Militärisch gesehen war
das nicht der Rede wert, aber sie haben B- und C-Waffen eingesetzt. Steht alles
in den Akten! Nie flächendeckend in großen Gebieten, eher punktuell,
aber immerhin. Das Hauptproblem war anfangs, daß die Bomben bei der Explosion
zu heiß wurden und die Proben verbrannten, weshalb sie dann, wie in meinem
Film, die Metallbomben durch Keramik ersetzt haben. In Südchina haben die
Japaner biologische Bomben geschmissen, in der Mandschurei haben sie das Zeug
versuchsweise in Flüsse geschüttet. Oh ja, sie haben es eingesetzt.
Das ändert dennoch nichts daran, daß die ganze Sache völlig
absurd war.
Review © by Splatteralex
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